Orientalischer Tanz als Tanzsport
Definition Alle Orientalischen Tänze bzw. Orientalische Folklore sind sowohl in tanzkünstlerischer als auch in
freizeitorientierter bzw. tanzsportlicher Ausprägung anzutreffen. Im DTV wird beispielsweise nur die tanzsportliche Ausprägung in der Kategorie Breitensport als Orientalischer Tanzsport angeboten.
Der Orientalische Tanz wird fälschlicherweise sehr oft allgemein als Bauchtanz bezeichnet. In unseren Gefilden trifft er nach wie vor gelegentlich auf eine
zurückhaltende und in Einzelfällen sogar abwertende Distanz. Man sollte sich zuerst darauf zurückbesinnen, dass der Orient nicht nur aus der Türkei und Ägypten besteht. Auf Nordafrika und Vorderasien bezogen nimmt der
Orientalische Tanz eine vergleichbare, auf den gesamten Orient bezogen sogar eine wesentlich größere regionale Ausdehnung und tanzartspezifische Vielfalt als der gesamte westeuropäische (Okzident) Tanzraum ein - und das
schon seit Anbeginn der tanzenden Menschheit. Zweitens ist der gelegentlich verwendete Begriff „Bauchtanz“ schlicht ein einfacher Betrachtungs- bzw. Übersetzungsfehler aus früheren Jahrhunderten und für aktive
Tanzsportler/Innen schon eher abwertend und beleidigend zu werten. Die ersten reisenden Europäer im Orient reduzierten damals die ganzkörperlichen Bewegungen von tanzenden Frauen und Männern auf den bloßen – und
damals unvorstellbar: unbekleideten – Bauch. Aus diesem freien Blick auf den Bauch (was im Übrigen aus der Indischen Kostümtracht herrührt) und den binnenkörperlichen Bewegungen, entstanden in Reiseberichten Wörter wie
z.B. bellydance oder dance du ventre, die einfach ins Deutsche mit Bauchtanz transferiert wurden. Die wenigsten wissen, dass der Bauch eigentlich nur eine untergeordnete oder gar begleitende Stellung im Orientalischen
Tanz einnimmt. Bereits seit Jahren wird daher der fachlich besser geeignete Begriff Orientalischer Tanz verwendet. Tanztechnik Der Orientalische Tanz umfasst heutzutage eine Vielzahl von Bewegungsformen, die sich über lange Zeit hinweg aus den unterschiedlichen Tanzstilen des
Orients entwickelt haben. Die Tänze und spezifische Tanzfiguren entstehen überwiegend durch die Ausführung von binnenkörperlichen Bewegungen, welche entweder isoliert oder polyzentrisch in den grundlegenden
Bewegungszentren Brustkorb, Becken und Hüfte zu Orientalischer Musik, meist im aeroben Bereich ausgeführt werden. Dabei müssen gleichzeitig auch begleitende Arm- und Handbewegungen dazu koordiniert werden. Es gibt eine
Vielzahl von Schritten und Kombinationsmöglichkeiten aus einem tanzartspezifischen Bewegungskatalog für Orientalischen Tanz. Es bieten sich daher 1001 Möglichkeiten zur sportlich-aktiven Bewegung, welche auch mit viel
Spaß und Hintergrundwissen über fremde Kulturen einhergeht. Gesundheitliche Effekte Die wesentlichen Vorteile - und die damit verbundenen großen Entwicklungschancen des Orientalischen Tanzsportes - bestehen in der gezielten Mobilisierung und Kräftigung,
Stabilisierung des Stütz- und Bewegungssystems. Orientalischer Tanz stellt ein ideales Koordinations- und propriozeptivem Stabilisationstraining dar, welches u.a. der Sturzprophylaxe dient. Dies resultiert insbesondere
daraus, dass entweder barfuss, mit Socken oder mit Schläppchen mit dünner weicher Sohle getanzt wird. Weiter führt er zur Steigerung der Flexibilität, der gezielten Haltungsschulung und Verbesserung der
Körperwahrnehmung. Fördernd ist auch die Herz- und Kreislaufaktivierung, das Training in unterschiedlichen Pulsfrequenzbereichen und die Prävention von Inkontinenzproblemen durch Training der Beckenbodenmuskulatur.
Letztlich bietet Orientalischer Tanz eine selten anzutreffende Verbindung aus physisch und psychisch gesundheitsorientierten ganzheitlichen aktiven Wellness- und Körpertraining. Die Orientalische
Musikvielfalt ermöglicht insbesondere eine abwechslungsreiche Tanztrainingsgestaltung in unterschiedlichsten Intensitäten und Pulsfrequenzen. Dies reicht von langsamen, kontrollierten z.B. rollenden Bewegungen im
ruhigem 8/4-Takt (was z.B. der Mobilisierung der Wirbelsäule dient) bis hin zum schnellen 2/4-Taktmaß als konditionsförderndes „ältestes Bauch-, Beine- und Potraining der Menschheit“, bei dem man schnell ins Schwitzen
geraten kann. Zur abwechslungsreichen Gestaltung der Tanzstunde kommen zudem unterschiedliche Utensilien wie Schleier, Zimbeln, Stöcke, Körbe u.v.m. zum Einsatz. Zusammenfassend stellt der Orientalischer
Tanz unter Beachtung der tanzfachkundlichen und kulturellen Hintergründe eine zeitgemäße, präventiv- und vor allem gesundheitsorientierte Sportart mit Integrationseffekt dar. Orientalischer Tanz bis ins hohe Alter Orientalische Tänzer/innen können bis ins hohe Alter
aktiv und mobil sein. Hoch angesehene Tänzer/innen sowie Trainer/innen sind nicht selten über 60 Jahre alt und durch eine gute und erfahrene Tanztechnik sowie Ausstrahlung durch ihre Lebenserfahrung immer noch sehr
erfolgreich. Das Durchschnittsalter der Aktiven im Orientalischen Breitentanzsport bewegt sich schätzungsweise bei rund 40 Jahren mit Tendenz nach oben. Dies ist sicherlich auch darin begründet, dass die besondere
Bewegungsform eine stetige Mobilisierung der Gelenke und besonders auch der kleinen Wirbelgelenke mit sich bringt. Der Orientalische Tanzsport kann unabhängig vom Alter ausgeübt werden und ist sogar bei sehr
eingeschränkten körperlichen Möglichkeiten unter entsprechenden Anpassungen durchaus denkbar. Kennt doch der Orientalische Tanz schon die ältesten Tänze auch im sitzen. Mit zunehmenden Alter steigt
insbesondere bei Frauen das Risiko der Harninkontinenz. Im Orientalischen Tanz kann u.a. wegen der besonderen Tanztechnik das kontrollierte An- und Entspannen der Beckenbodenmuskulatur intensiv trainiert werden. Eine
gut trainierte Beckenbodenmuskulatur dient nicht nur der allgemeinen Körperstatik und der Körperwahrnehmung, sondern fördert auch eine selbstbewusste Ausstrahlung, welche in vielerlei Lebenslagen enorm wichtig ist. Auch
in der Brustkrebsnachsorge wird Orientalischer Tanzsport aufgrund seiner vielfältigen Arm- und Handbewegungen mit dem Ziel einer Wiedererlangung der Mobilität im Brustkorb- und Schulterbereich zunehmend gerne genutzt.
Auch nach einer entsprechenden Rehabilitation kann Orientalischer Tanz sogar mit prothetischen Hüft- und Kniegelenken unter fachkundiger Anleitung ausgeführt werden. Selbstverständlich sollte eine Teilnahme in diesem
Fall vorher mit dem Arzt abgeklärt werden. Weiterhin steckt in den malerischen und bedeutungsvollen Handbewegungen des Orientalischen Tanzes ein ideales Koordinationstraining und Mentaltraining zur
Steigerung der Gedächtnisleistung. Diese Mobilisierung hilft auch Frauen in mittleren und hohem Alter, welche besonders häufig von Daumensattelgelenkarthrose betroffen sind und sich möglichst lange die Mobilität der
Hände und Finger mit Spaß bewahren wollen. Trainingsumfang und Besonderheiten Eine Trainingseinheit in der Woche mit einem Umfang von ca. 90 Minuten erscheint als der häufigste anzutreffende Umfang und ist wohl am ehesten im Hinblick auf die
Lebensumstände zu realisieren; ideal wären zwei Trainingseinheiten in der Woche. Im Allgemeinen bestehen keine Bedenken, Orientalischen Tanz öfters und in größerem Zeitumfang auszuüben, solange die körperliche
Voraussetzungen dies zulassen.Selbstverständlich muss man kein/e Orientale/in sein, um Orientalischen Tanz zu erlernen. Er ist eine Sportart, die vom Alter, Statur und Geschlecht vollkommen unabhängig ist.
Als relativ seltenes Single-Tanzangebot wird er (auch mangels Tanzpartner) überwiegend von tanzbegeisterten Frauen als eine der sicherlich weiblichsten Sportarten und als „das ältestes Bauch-, Beine- und Potraining der
Menschheit“ ausgeübt. Die spezifischen Bewegungen der Orientalischen Tanztechnik werden meist in einer leicht gebeugten Grundhaltung der Knie ausgeführt. Das ständige wechselnde (hierbei wichtig: achsgerechte) Beugen
und Strecken der Kniegelenke sowie die Wirbelsäulenaktivitäten erfordern eine korrekt zu erlernende Tanzgrundhaltung, die nur unter fachkundiger Anleitung gewährleistet werden sollte. Orientalischer Tanz
ist auch in der Geburtsvorbereitung sowie als ergänzendes Rückbildungstraining nach einer Schwangerschaft ein gern angenommenes Angebot. Wegen der besonderen Form des Bewegungslernens sollten die Unterrichtsräume mit
einer Spiegelwand ausgestattet sein. Das Bewegungslernen wird so einfacher und kann von der Kursleiterin besonders gut korrigiert werden. Anbieter
Viele der über 2000 Mitgliedervereine des Deutschen Tanzsportverbandes und einige Sportvereine sowie andere Freizeitanbieter wie
Volkshochschulen und Fitnessstudios, bieten Orientalischen Tanz für unterschiedliche Leistungsstufen von Anfänger bis weit Fortgeschrittene und für verschiedene Altersstufen an. Hierin ist begründet das man sicherlich
in jeder Stadt ein Angebot zur Erlernung des Orientalischen Tanzsportes finden wird. Viele Sportvereine bieten auch Orientalischen Tanz speziell ausgerichtet auf die aktuellen Zielgruppen wie z.B. „50+“ und älter an.
Qualifikation der Trainer/innen Für die fachkundige Vermittlung im
Unterricht stehen seit dem Jahre 2004 bundesweit schon rund 75 lizenzierte Trainerinnen für Orientalischen Tanzsport in den Vereinen des Deutschen Tanzsportverbandes (DTV) zur Verfügung. Räumliche Voraussetzungen Wegen der besonderen Form des Bewegungslernens sollten die
Unterrichtsräume mit einer Spiegelwand ausgestattet sein. Das Bewegungslernen wird so einfacher und kann von der fachkundigen Kursleiterin besonders gut korrigiert werden. Weiter sollte die Tanzfläche bei einer
angenommenen Gruppengröße von 10 Personen ca. 100 qm betragen. Informationen Weitere Informationen zum Orientalischen Tanzsport im DTV erhalten Sie bei der Beauftragten für Orientalischen Tanz im DTV Frau Shalimar E. Möhler unter www.tanzsport.de,
www.uebungsleiter-ot.de und www.trainer-ot.de.de |