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Orientalischer Tanz im Deutschen Tanzsportverband

1. Aktueller Bericht der DTV-Beauftragten zur Entwicklung des O.T.

2. Orientalischer Tanz als Gesundheits- und Präventionssport

3. Ist Orientalischer Tanz auch Tanzsport ?   Diese Frage klärt der Sachbericht unter diesem link

In Trägerschaft des Deutschen Tanzsportverbandes wird seit dem Jahre 2004 in Deutschland erstmals eine anerkannte Lizenzausbildung im Bereich des Orientalischen Tanzes angeboten. Die Ausbildung wird nach dem Ausbildungsrahmenplan FÜL-C-OT und der dazugehörigen Ausbildungsanleitung und Prüfungsordnung gemäß den Rahmenrichtlinien des Deutschen Sportbundes (DSB) für Übungsleiter-Lizenzausbildungen durchgeführt.Gründe hierfür sind u.a. die Erreichung einer Qualitätssicherung, Vereinheitlichung und Integration des Orientalischen Tanzsportes in Deutschland. Nach einheitlicher Auffassung kam der Ausbildungsträger zur Erkenntnis, dass neben der Ausbildung FÜL-C-Breitensporttanz ein neuer spezieller Ausbildungsgang FÜL-C-Orientalischer Tanz für den fachspezifischen Unterricht in dieser Tanzart erforderlich ist. Ab 2009 wird diese Ausbildung neukonzipiert als Trainerausbildung -C- Breitensport (Orientalischer Tanz durchgeführt

Diese Neuerung ist in der Eigenart und in den Anforderungen im Orientalischen Tanzsport begründet und wird insbesondere an folgenden Themenbereichen deutlich, die den Bedarf einer unterschiedlichen Profilierung aufzeigen: überwiegend abweichende Bewegungsmuster, andere Schritt- und Bewegungsfolgen, unterschiedliche Tanzgrundhaltung, Tanzanatomie, Bewegungslehre im O.T., Kenntnisse der speziellen Musik- und Rhythmuskunde, Kenntnisse der kulturellen Einflüsse und Folklore sowie Kenntnisse der fachspezifischen Terminologie.

Das Pilotprojekt hat gezeigt, dass die Lizenzausbildung zur/m anerkannten Fachübungsleiter/in für Orientalischen Tanz ein in dieser Form einzigartiges Ausbildungsangebot darstellt und auf ein sehr großes Interesse gestoßen ist. Die Zielgruppe sind Teilnehmer/innen, die bereits als Tanzlehrer/in, Übungsleiter/in oder Dozent/in für O.T. tätig sind oder künftig tätig werden wollen und ihre Kenntnisse in einer methodisch aufgebauten umfassenden Ausbildung vertiefen und schließlich durch einen speziell auf die Fachprofilierung im Bereich Orientalischer Tanz ausgerichteten Lizenzerwerb zu einer offiziellen Anerkennung führen möchten. Der Deutsche Tanzsportverband möchte deshalb alle Mitgliedsvereine auf dieses Ausbildungsangebot hinweisen und bittet um eine Weitergabe dieser Informationen an interessierte Mitglieder, die sich ab sofort für die Ausbildungsmaßnahme bei der Ausbildungsleiterin Shalimar E. Möhler anmelden können.

Was bedeutet überhaupt Orientalischer Tanz (O.T.) und inwieweit passt er in unsere Tanzsportlandschaft ?

Der O.T. - fälschlicherweise oft noch als Bauchtanz bezeichnet - trifft in unseren Gefilden nach wie vor manchmal auf eine zurückhaltende und in Einzelfällen sogar abwertende Distanz. Dies liegt in der Hauptsache  daran, dass darauf angesprochene Personen in der Regel über kein oder nur über sehr unzureichendes Hintergrundwissen zu diesem Thema verfügen. Nicht selten basieren ihre Kenntnisse ausschließlich auf einer Vorführung im Rahmen einer mehr oder weniger professionellen Touristenanimation im Urlaub in der Türkei oder Ägypten oder auf einem feucht fröhlichen Junggesellenabschied bzw. einer ausgelassenen Geburtstagsfeier eines Freundes.

Auf dieser Grundlage, die lediglich einen sehr kleinen Teilbereich des O.T.-Spektrums darstellt, sehe ich verständlicherweise nur wenig Ansätze, den O.T. auf einer breiten Sportvereinsbasis zu präsentieren. Das ist nicht die Form des O.T. im niveauvollen Stil.

Begriffsdefinition

Zuerst sollte man sich darauf zurückbesinnen, dass der Orient nicht nur aus der Türkei und Ägypten besteht. Auf Nordafrika und Vorderasien bezogen nimmt der O.T. eine vergleichbare, auf den gesamten Orient bezogen sogar eine wesentlich größere regionale Ausdehnung und tanzartspezifische Vielfalt als der gesamte westeuropäische (Okzident) Tanzraum ein - und das schon seit Anbeginn der tanzenden Menschheit. Zweitens ist der gelegentlich verwendete Begriff „Bauchtanz“ schlicht ein einfacher Betrachtungs- bzw. Übersetzungsfehler aus früheren Jahrhunderten. Die ersten reisenden Europäer im Orient reduzierten damals die ganzkörperlichen Bewegungen von tanzenden Frauen und Männern auf den bloßen – und damals unvorstellbar: unbekleideten – Bauch. Aus diesem freien Blick auf den Bauch (was im Übrigen aus der Indischen Kostümtracht herrührt) und den binnenkörperlichen Bewegungen entstanden in Reiseberichten Wörter wie z.B. bellydance oder dance du ventre, die einfach ins Deutsche mit Bauchtanz transferiert wurden. Die wenigsten wissen, dass der Bauch eigentlich nur eine untergeordnete und begleitende Stellung im O.T. einnimmt.

Weiterhin deutete man diese Bewegungen irrtümlich auch als Geburtsvorbereitungsrituale oder religiöse Tanzrituale, was allerdings beim Cabaret-Stil der damaligen Zeit sicherlich höchst unzutreffend sein dürfte. Durchaus mag es auch hierzu Ansätze geben, denn Religion und Körperlichkeit sind in vielen Tanzkulturen die Wurzel des Tanzes, aus der sich der Tanz weiter entwickelt haben mag.

Entwicklung des Orientalischen Tanzes in Europa

So, wie wir in Europa den O.T. in den 80 er Jahren kennen lernten, wurde er maßgeblich von Dozenten aus den USA eingeführt bzw. beeinflusst und erst späterhin durch Dozenten aus den Ursprungsländern oder Deutschen Dozenten nach entsprechenden Auslandsaufenthalten aufgegriffen. Vielleicht könnte man diese Entwicklung analog des Kennenlernens und der Einführung der lateinamerikanischen Tänze in Europa sehen, welche schließlich auch über mehrere Jahre der Integration in den Tanzsport eingemündet sind. Der sportliche Aspekt des O.T. in Deutschland wurde erst wesentlich später als sein tanzkünstlerischer Einsatz entdeckt. Die Motive der Teilnehmer waren zu Beginn sehr unterschiedlich und reichten von Bühnentanzkunst über Entspannungstherapie bis hin zu Selbstverwirklichungskursen für Frauen.

Aufgrund der sportmedizinischen Forschung weiß heute jedoch jeder informierte und interessierte Betrachter oder aktiver Tänzer, dass O.T. bei entsprechender Ausübung und fachlicher Anleitung durchaus mit anderen Leistungssportarten hinsichtlich Konditionssteigerung, Herz-/Kreislaufaktivierung, Koordinationstraining, Gelenkmobilisierung, Muskelaufbau und zu guter Letzt auch Fettverbrennung als ältestes Bauch- Beine Potraining mithalten kann. 

Orientalischer Tanz im Breitensport

Zwischenzeitlich hat sich das Interesse am O.T. erfreulicherweise weitaus mehr in Richtung des Breitensports entwickelt, da der O.T. grundsätzlich keine oder nur minimalste Zugangsbeschränkungen hinsichtlich des Lebensalters, der körperlichen Konstitution und notwendiger Vorkenntnisse aufweist und es zwischenzeitlich auch eine große Anzahl von Vereinsangeboten und Nutzern gibt. Zudem ist O.T. insbesondere für Frauen als moderner Trend- oder Alternativsport erkannt worden, da er mit Musik, Tanz und Sport in der Gruppe und ohne Tanzpartner ein seltenes Singleangebot darstellt. Männer sind leider noch in der Unterzahl bei dieser Tanzform, jedoch bietet der O.T. selbstverständlich auch Männern genauso vielfältige Angebote. Für mich persönlich spielt es u.a. auch eine große Rolle, dass der O.T. einer der ganz seltenen Sportarten ist, welche gleichzeitig kulturelle Hintergründe mit körperlicher Aktivität verbinden.

Chancen des Orientalischen Tanzes

Die wesentlichen Vorteile und damit große Chancen des O.T. als zeitgemäßes Tanzsportangebot bestehen in der Mobilisierung und Stabilisierung des Stütz- und Bewegungssystems, im Koordinationstraining und Steigerung der Flexibilität, in der Haltungsschulung und Körperwahrnehmung, der Herz-/Kreislaufaktivierung, dem Training in unterschiedlichen Pulsfrequenzbereichen, der Prävention im Bereich von Inkontinenzproblemen durch Training der Beckenbodenmuskulatur, der Verbindung von physisch und psychisch gesundheitsorientierten Aktivitäten und schließlich in einem einheitlichen Ganzkörpertraining. Wer nun tatsächlich noch ernsthaft daran zweifeln mag, das O.T. ein Tanzsport ist, den lade ich gerne zu mir in eine Schnupperstunde zum aktiven Mittanzen ein. 

Zukunft des Orientalischen Tanzes im DTV

Da der DTV das „Mutterhaus“ für alle Tanzsportarten darstellt, stand für mich seit Beginn meiner Bestrebungen außer Frage, dass auch der O.T. in seiner tanzsportlichen Gestaltungsform unter das Dach des DTV gehört und hier unter fachkundiger Anleitung mit seriösem Hintergrund und aktuellen sportmedizinischen Erkenntnissen angeboten wird. Die wichtigste Grundlage stellt hierbei die einheitliche und qualitätsgesicherte Ausbildung von geeigneten Fachübungsleiter/innen im Bereich O.T. dar. Nur auf diesem Fundament wird sich in unseren Mitgliedsvereinen der O.T. als interessanter und vor allem seriöser Breitensporttanz etablieren können. Der DTV bietet als Spitzenverband durch seine Bereitschaft und Unterstützung die Gewähr, dass O.T. in seiner Verbandsstruktur auf qualitätsgesicherter Basis unter allgemeingültigen sportlichen Rahmenbedingungen repräsentiert werden kann und damit eine Integration in unsere vielfältige Tanzsportlandschaft erfolgen kann. Der hierzu erstellte neue Ausbildungsrahmenplan, die Ausbildungsanleitung und die entsprechende Prüfungsordnung zur TR-C-BR (OT) Lizenzerwerbsschulung bildeten hierfür u.a. die  Grundlagen.

Meine künftigen Aufgaben werden u.a. auch darin bestehen, den O.T. in sanfter Weise hin zu leistungssportlichen Ambitionen zu führen, um auch einen gewissen Wettbewerbscharakter zu formen, der schließlich zum Tanzsport gehört. Hierzu führe ich bereits Vorgespräche zu einer geplanten Breitensport-Wettbewerbsveranstaltung in Hessen.

Ihre Unterstützung wird benötigt

Ich würde mich freuen, wenn Sie meine Aufgaben und Aktivitäten als Beauftragte für Orientalischen Tanz im DTV unterstützen und bei passenden Gelegenheiten „Uninformierte“ oder eventuell gar „Ignoranten“ auf die Ernsthaftigkeit und die sich bietenden Möglichkeiten dieser Tanzsportart hinweisen. Auch ich wurde in meiner Vereins-/Verbandstätigkeit gelegentlich schon gebeten, „..mal etwas „Bauchtanz“ auf dem Tisch vorzuführen“. Meines Wissens wurde dies bei anderen Tanzsparten in dieser Form noch nie gefordert. So waren diese Bitten zwar in der Konsequenz nicht unbedingt ernsthaft gemeint und ich habe zudem auch nie „Bauchtanz“ auf dem Tisch vorgeführt, um meine Bestrebungen voran zu bringen, aber es spiegelt doch die immer noch vorhandene - und verzeihen Sie mir bitte meine Direktheit: insbesondere bei Männern nicht selten geringschätzende - Auffassung „eines Tingeltangel-Animationstanzes mit wenig Bekleidung“ wider.

Dank und Ausblick

Mein Dank gilt deshalb vor allem einem „Pionier“ im DTV-Präsidium, DTV-Lehrwart Herrn Horst Krämer, der sich seinerzeit als erster meine Ideen ohne Vorurteile und Vorbehalte anhörte, sich die Vision O.T. im DTV vorstellen konnte und mit der Planung des Pilotprojektes FÜL-C-OT einen Meilenstein für die Integration des O.T. im DTV setzte. Auch gilt mein Dank Herrn Karl-Peter Befort vom HTV, mit dessen Unterstützung ich das Pilotprojekt im Jahr 2004 durchführte, Herrn Holger Liebsch für seine Betreuung hinsichtlich der umfangreichen DTV-Formalia und Breitensportaspekte sowie HTV-Lehrwartin Frau Lilo Meyer und dem Team der DTV-Geschäftsstelle für ihre tatkräftige organisatorische Unterstützung.

Ich freue mich schon darauf, die nächste Lizenzerwerbsschulung planen und durchführen zu können. Mit 1001 tanzsportlichen Grüßen

Shalimar ® E. Möhler
Shalimar ® ist ein beim Deutschen Markenamt seit 1999 eingetragener geschützter Künstlermarkenname.
Ein Missbrauch führt nach § 14 Markengesetz zu Schadenersatzansprüchen.